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Samstag, 18. Juni 2016, 20 Uhr
Flora Köln
Am Botanischen Garten 1a, 50735 Köln


Joseph Haydn: Die Schöpfung
Oratorium für Solostimmen,
Chor und Orchester
Hob. XXI: 2

Hanna Zumsande, Sopran
Fabian Strotmann, Tenor
Rafael Bruck, Bass
Rheinischer Kammerchor Köln
Neues Rheinisches Kammerorchester Köln
Wolfgang Siegenbrink, Dirigent



Kartenvorverkauf ab 10. März 2016
Das "R" rollt mit den Wellen
KLASSIK — Rheinischer Kammerchor Köln mit Joseph Haydns "Die Schöpfung"
von RAINER NONNENMANN (Kölner Stadtanzeiger)

"Die Erde war ohne Form und leer", doch die Musiker taten sich schwer. "Die Vorstellung des Chaos" zu Beginn von Joseph Haydns 1799 uraufgeführtem Oratorium "Die Schöpfung" wird gezeichnet durch ziellos tastende Modulationen und dissonierende Vorhalten ohne harmonisches Zentrum. Und diese kompositorisch höchst originell gestaltete Ungestalt will gerade besonders präzise gespielt und nicht im Ungefähren belassen werden.

Nach anfänglichen Irritationen fand das Neue Rheinische Kammerorchester unter Leitung von Wolfgang Siegenbrink in Tutti und Soli jedoch zu großer Subtilität und Strahlkraft. Die Streicher ließen "heftige Stürmen" in wildem Tremolo brausen und den "hellen Bach" sanft murmeln. Und zu "der Nachtigallen süße Kehle" ließ die Soloflöte all ihre Reize hören, im Wechsel mit dem "girrenden Taubenpaar" der zu lockenden Pralltrillern und Koloraturen sich aufschwingenden Hanna Zumsande. Auch als Eva im Duett mit Adam legte die Sopranistin allen lyrischen Schmelz in Sätze wie "Dein Will ist mir Gesetz".

Während das Publikum in der Kölner Flora die voremanzipatorische Unterwerfung der Frau unter den Mann als "König der Natur" mit milder Heiterkeit quittierte, stürzen solch fatale "Glaubenssätze" andernorts noch heute einen Teil der Menschheit ins Unglück.

Durch schönes Timbre und deutliche Artikulation erfreuten auch Tenor Fabian Strotmann und Bassbariton Rafael Bruck, der die "rollenden Wellen" mit besonders spitzem Zungen-R bedachte, dessen sonst tragende Stimme in der Tiefe jedoch Volumen vermissen ließ.

Zentrale Partien oblagen schließlich dem stark besetzten Rheinischen Kammerchor Köln. Zu Höhepunkten wurden insbesondere die Schluss-Chöre der drei Hauptteile dank polyphoner Deutlichkeit, prachtvoller Klangentfaltung und Intonationssicherheit: "Vollendet ist das große Werk!“